Stone(wo)man Dolomiti Road Gold – Passjagd mit Hindernissen

"Unendliche Freiheit, zwischen Himmel, Hölle und Erde"

 

Als ich das erste Mal die Trophäe des Stoneman bei einem Bekannten sah, wusste ich: Die will ich auch!

Für Mai hatten wir eine Woche Urlaub (respektive Höhenmeter-Trainingslager) in Sexten gebucht, in einem wunderschönen Appartement von Alpenraum (www.alpenraum.it)

Allerdings waren nicht alle Voraussetzungen für dieses Vorhaben perfekt: Letztes Jahr wurden wir von sommerlichen Witterungsbedingungen überrascht – dieses Jahr hing der Winter noch in den Bergen. 

Für Montag, den 7. Mai war trotz einiger kleinerer Schauer noch das beste Wetter gemeldet. Wenn wir den Stoneman also verwandeln wollten, dann da!

 

Am Tag zuvor fuhren wir also zu der Anmeldestelle in Sexten, um die Startunterlagen abzuholen und fanden uns vor verschlossenen Türen wieder. Aufgrund der Wetterlage sei die Runde erst ab Juni offiziell eröffnet, erklärte uns Initiator Roland Stauder am Telefon. Wir könnten es aber trotzdem versuchen. Der Urlaub war gerettet!

 

Am Montag starteten wir gegen 8 Uhr in der Früh bei sonnigen, aber frischen 8 Grad Richtung Toblach leicht bergab. Abgesehen von dem Passo Cimabanche verläuft die Strecke auf den ersten 40 km relativ flach. Von Cortina d’Ampezzo schlängelt sich dann der Passo Falzarego mit angenehmen Steigungswerten gut 15 km nach oben. Wir hatten uns die Tour bereits im Vorfeld genau angesehen und wussten von quäldich.de: Das ist nur zum Aufwärmen!

Die Abfahrt runter nach Colle Santa Lucia nutzten wir, um die Beine noch etwas zu lockern. Nächste Hürde: Der Passo di Giau. Wie heißt es auf Quäldich so schön: Die Straße „wechselt ihren Charakter von lieblich bis hochalpin“. Treffender lässt sich der Aufstieg kaum beschreiben. Nach einer „Ouvertüre an Steigungsprozenten“ folgen 29 Kehren, die sich die Passhöhe hinaufschrauben. Während man seinen Rhythmus hochkurbelt, fragt man sich des Öfteren, wie man überhaupt auf den Gedanken kommen konnte, so eine Herausforderung anzunehmen. Schließlich ist der Giau nur einer von fünf Pässen mit Stempelstellen auf der Stoneman-Route. 

Auf dem letzten Drittel des Weges türmten sich seitlich der Straße die Schneemassen. Von oben kam uns eine Radlergruppe entgegen und feuerte uns durch Zurufe an. 

Also: Hochdrücken, kurz die Aussicht genießen – und weiter.

 

Auf einer herrlichen Abfahrt nach Cortina d’Ampezzo die erste Erleichterung: 

Die ersten 100 sind durch. 

Auch die Flaschen waren leer und so nutzen wir einen kurzen Cafébesuch, um die Reserven wieder aufzufüllen. 

 

Der Weg durch die Stadt war etwas verwirrend, aber dank Sebastians Orientierungssinn fanden wir uns schnell wieder auf dem richtigen Weg – Richtung Passo Tre Croci. „Das sind nur 500Hm, das ist nur so eine Zwischenstation, die zähle ich gar nicht.“ Nun gut. Wenn Sebastian das sagt. Für „nur so auf dem Weg“ merkte ich die Spitze zu den drei Kreuzen aber schon in den langsam müde werdenden Beinen. Doch die Königsetappe lag noch vor uns: 

Tre Cime di Lavaredo. Am Fuß des Passes befindet sich der Lago di Musurina, der uns am Vortag mit einem traumhaften Ausblick empfangen hatte. Dieses Mal hingen dicke dunkle Wolken über dem Wasser. Aber was soll`s: Wir waren ja nicht da, um die Aussicht zu genießen.

 

Der erste Kilometer tat weh: Die Stichstraße führt mit gut 12% hoch zu einem kleinen See.

Es begann zu regnen, aber jetzt wollten wir es auch durchziehen. Außerdem führt keine Abkürzung zurück nach Sexten.

Also: Augen zu und durch!

Wobei: Wir mussten aufpassen, da der Weg teilweise noch nicht geräumt war, aber die Beine brachten uns überraschend gut durch die zweistelligen Prozentwerte Richtung Gipfel – bis uns die Schneemassen zur Umkehr zwangen.

Verdammt!

 

Über Misurina ging es auf die letzten beiden Berge, die wir bereits am Vortag zur Vorbelastung gefahren waren: Den Passo Sant Antonio und den Kreuzbergpass. 

Das, was mich den Antonio hinaufbrachte, war der Blick auf die Höhenmeteranzeige auf dem Garmin: Die 4700 Höhenmeter mussten noch voll werden! 

So will es das Stoneman-Gesetz. 

 

Es wäre gelogen, wenn ich behaupte, es wäre leicht gewesen. 

Aber ihr wisst ja: Glaube versetzt Berge. Und ein starker Wille schmilzt vielleicht ein paar Steigungsprozente. Und etliches an Kalorien. Irgendwann war auch die Energiebilanz etwas aus dem Lot. Aber das Ziel war greifbar.

Der Passo Montecroce war zum Abschluss eine Wohltat – auch wenn das in dem Kontext etwas eigenartig klingt: Eine moderate Steigung und die absehbare Abfahrt nach Sexten. 

Allerdings fuhren wir nicht auf direktem Wege nach Hause: 

Wenn, dann wollten wir den Stoneman so abliefern, wie Roland Stauder ihn konzipiert hat. Mit allen Schikanen. Und mit den vollen Höhenmetern. Und so drehten wir noch eine Extrarunde. Für die Bilanz. 

 

Kaputt, aber glücklich dann der Zieleinlauf nach 195 km in Sexten. Geschafft!

 

Zu unserer großen Freude überreichte uns Roland Stauder am Tag danach die Trophäen. 

In Gold. 

Damit sind wir die ersten Finisher 2018 – und inspirieren hoffentlich noch viele weitere Radsportler. 

 

Was mit dir? Herausforderung angenommen?!

www.stoneman.it