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Bimbach400 - Rhön Radmarathon

"Pfingsten fährt man in Bimbach!"

Auf der Suche nach meiner ersten Marathon-Herausforderung 2017 stieß ich auf den Rhön Radmarathon in Bimbach.

400km innerhalb zweier Tage - eine beeindruckende Zahl, die mir aber durch diese Zweiteilung dennoch machbar schien.

Als in der Nacht die Anmeldung freigeschaltet wurde, blieb ich so lange vor dem Rechner sitzen, bis der heillos überlastete Server mich endlich zum Zuge kommen ließ.

Glücklicherweise konnte ich noch einen Freund davon begeistern, sich für die Marathonstrecke zu melden, sodass ich die Sicherheit hatte, die Premiere nicht komplett alleine durchstehen zu müssen.

Bereits bei der Anmeldung zeigte sich, dass das kleine Örtchen Bimbach in der Rhön bestens organisiert war, die Startunterlagen wurden zügig verteilt und eine Reihe ehrenamtlicher Helfer war mit vor Ort. Es gab sogar technischen Support von Stadler und Specialized, sodass ich mein Schaltwerk noch einmal überprüfen lassen konnte, das in letzter Zeit etwas rumgezickt hatte.

Am Samstag ging es dann los mit der RTF, übrigens auch die erste, die ich seither mitgefahren war. Um uns sammelte sich rasch ein kleines Grüppchen und wir kamen unter Auslassung einiger Pausenstationen zügig voran. Das Wetter war bestens, die Versorgung einmalig und die Atmosphäre sehr entspannt. Sowas kannte ich bisher von den "Kirchturmrennen" nicht. Ein paar in unserer Gruppe meinten, wir sollten etwas kraftsparender fahren, morgen sei ja erst der Marathon, aber es lief so gut und machte so viel Spaß, dass wir fast mit einem 29er Schnitt durchzogen.

Die Euphorie wurde jedoch schnell von den Wetteraussichten für den darauffolgenden Tag gedämpft: Es sollte regnen. Den kompletten Vormittag. Und das nicht zu knapp.

Der Optimismus stirbt zuletzt, wir hofften auf Petrus' Wohlwollen. Also: Wecker um 4 gestellt. Sogar das Ibis in Fulda war im Marathon-Modus und stellte bereits zu dieser unchristlichen Zeit sein Frühstücksbuffet.

Der Blick nach draußen jedoch ließ mich schwer schlucken: Es goss in Strömen und auch die Temperaturen waren wenig einladend für eine mehrstündige Radtour. Mein Begleiter meinte sofort, dass er bei diesem Wetter nicht starten werde, da er sich sein Material nicht kaputtmachen wollte. Keine Medaille? Und der ganze Aufwand mit der Anreise per Bahn, die Aufregung im Vorfeld für die lächerlichen 160km vom Vortag? Ich hätte heulen können.

Den Massenstart verpassten wir. Kurz vor 8 machten wir uns auf den Weg nach Bimbach. Der Regen zog lange Fäden von den Zeltdächern. Keine Chance. Alleine wollte ich nun aber auch nicht starten, schließlich wäre ich nun - weitab vom Feld - völlig auf mich allein gestellt.

Gegen 10 sollte es aufhören zu regnen. Mein Begleiter meinte: Wenn dem wirklich so ist, wir bis halb 11 loskommen und das Ganze ohne große Pausen durchziehen, schaffen wir es. Egal unter welchen Umständen: Ich wollte die Medaille.

Kurz nach halb 11 machten wir uns auf den Weg. Es nieselte noch leicht, aber allmählich kämpfte sich die Sonne durch die dicke Wolkenschicht.

Ich merkte die Beine vom Vortag, aber jetzt gab es kein Mimimi: Wer kassieren will, muss auch abliefern. Die Pausenstationen bis Kilometer 75 konnten wir noch mitnehmen, danach waren wir komplett auf uns und unseren Gel- und Riegelvorat gestellt. Glücklicherweise waren die Menschen, bei denen ich im ein oder anderen Ort klingelte, so freundlich, uns unsere Flaschen aufzufüllen.

Das Garmin kannte den Weg und mein Mitfahrer spendete genug Windschatten, sodass ich gut mitfahren konnte. Aber man unterschätze nicht die Rhön: Das wellige Profil lutscht einen ganz schön aus. Anders als die Pässe in den Dolomiten. Kleine Spitzen, langgezogene Anstiege, keine wirklichen Regenerationsabfahrten. Ich verfluchte zunehmend meinen Ehrgeiz und diese doofe Medaille. Aber jetzt wollte ich es auch durchziehen.

Meine Hoffnung, es wirklich zu schaffen, schwand gen Ende mit meinen Kräften: Allmählich zog die Dunkelheit auf. Und gerade in den bewaldeten Gegenden hatte ich Angst, dass uns ein Auto übersehen könnte. Also: Die letzten Kräfte für die letzten Höhenmeter mobilisieren und durchziehen. Unser Gelvorat war längst erschöpft - und so erreichten wir ziemlich abgekämpft und mit Einbruch der Nacht als Letzte das Ziel. Aber wir hatten es geschafft. Und trotz der Strapazen wusste ich: Die Marathon-Distanz ist genau meins.